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Örtliche Industriegeschichte -  Automobilfabrik Röhr

Roehr-Schild

Das Industriegelände am „Ochsenbruch" in Ober-Ramstadt beherbergte von 1916 bis 1993 mehrere Industriebetriebe. Als erster industrieller Großbetrieb Ober-Ramstadts wurde 1916 die Munitionsfabrik Max Walbinger gegründet. 2000 Beschäftigte, meist Frauen, fertigten Zünder für Sprenggranaten. Nach Ende des Krieges verlegte sich Walbinger erfolglos auf die Herstellung von Jagdmunition und Schreibmaschinen. In dieser Phase übernahm die Firma Falcon, die in Sontheim bei Heilbronn begonnen hatte Autos zu bauen, die Fabrik in Ober-Ramstadt. Ab 1922 fertigte dieses Unternehmen den Kleinwagen Falcon CA 6 der, wie das 1924 vorgestellte Schwestermodell TYP T VI den Ruf hatte, ein zuverlässiges Automobil zu sein. Allerdings machten Inflation und ausländische Konkurrenz den Falcon Werken das Leben schwer. 1926 musste das Werk, wie damals viele deutsche Autohersteller die Produktion einstellen.

Röhr - V8


 






 

Neuer Eigentümer wurde die, von dem genialen Automobilkonstrukteur Hans Gustav Röhr gegründete, "Röhr Auto AG". Ab 1927 begann die Produktion des Röhr 8., dem ersten deutschen Auto mit Einzelradaufhängung, Tiefbettkastenrahmen und Zahnstangenlenkung. Autoausstellungen in Berlin, Paris und Genf machten den, wegen seiner fortschrittlichen Bauweise als "Sicherster Wagen der Welt" bezeichneten Röhr 8, zu einem Begriff. 1930 ergriff die Weltwirtschaftskrise auch die Röhr-Werke. Doch konnte 1931 mit neuen Geldgebern die Produktion weitergeführt werden. Ohne Hans Gustav Röhr an der Spitze, stellten die "Neuen Röhr Werke" noch die Modelle Typ F und Typ FK, sowie "Junior" vor, für die Konstrukteure wie Ferdinand Porsche und Hans Ledwinka verantwortlich waren. Nach 4000 gebauten Autos setzte die Arisierung der Nationalsozialisten der von jüdischen Geldgebern getragenen Firma 1935 ein Ende. 1937 übernahm die Firma MIAG das Gelände um Kräne, Transportkarren und Gabelstapler zu fertigen. Nach dem 2.Weltkrieg beschlagnahmte die US Army das Werk. 1953 gab die MIAG, der nur begrenzte Räumlichkeiten geblieben waren, den Standort Ober-Ramstadt auf. Hier wurden bis 1993, zuletzt unter der Regie der "MIP" Reifen und Panzerketten für die NATO runderneuert. Seit 1993 steht das Gelände leer. Im Ausstellungsraum sind drei einmalige Fahrzeuge zu sehen: ein HAG Baujahr 1925 (einer Darmstädter Automobilfabrik), ein Röhr 8 Typ RA Sportcabriolet Baujahr 1931 und einen Röhr Junior mit Sonderkarosserie Baujahr 1937.

 

Veröffentlichungen:

  • Röhr – Ein Kapitel deutscher Automobilgeschichte
    Werner Schollenberger – ISBN 3-928746-04-9
  • Entwicklung eines Industriestandortes – Videofilm über die Geschichte eines Ober-Ramstädter Industriekomplexes
    Projektarbeit Fachhochschule Wiesbaden
  • Presseschau 1972-1995
    Dokumentation der Vereinsarbeit anlässlich der 100-Jahrfeier von Hans Gustav Röhr am 10.02.1995

Ansprechpartner:
Werner Schollenberger, Annastraße 11, 64372 Ober-Ramstadt;
Telefon 0 61 54 / 45 98