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Hochwasserrückhaltebecken Ober-Ramstadt, Modau

Hochwasserrückhaltebecken

Das Modaugebiet im vorderen Odenwald und in der Rheinebene wird häufig von Hochwasser betroffen und geschädigt. Besonders schwere Unwetterschäden sind im Sommer 1965 aufgetreten.
Praktische Erfahrungen und theoretische Untersuchungen haben erwiesen, dass zum notwendigen Hochwasserschutz ein System von Rückhaltebecken und darauf abgestimmten Flussausbauten an Engstellen geschaffen werden muss.


Ein wesentlicher Teil dieser Maßnahmen besteht im Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Ober-Ramstadt, das im Tal der Modau 300 m oberhalb des Stadtrandes liegt. Es soll die Abflussspitzen der Modau auffangen und bei abklingendem Hochwasser allmählich wieder abgehen, um so die Gewässerstrecken bis zur Modau- und Sandbachmündung vor Überlastungen zu schützen. Außerdem soll in dem landschaftlich schönen Tal ein Dauerstau geschaffen werden.


Der Bauherr für das Hochwasserrückhaltebecken war der Wasserverband Modau.

Der 1. Spatenstich erfolgte am 13.02.1990. Nach 3 ½ Jahren Bauzeit fand am 29.07.1993 die Bauabnahme statt und der erste Probestau bis 210 m NN erfolgte am 09.12.1993. Die Baukosten betrugen ca. 16,4 Millionen DM. Nach den topographischen Verhältnissen ist es möglich, einen Stauraum von 400.000 m³ Inhalt zu schaffen, wovon 50.000 m³ dem Dauerstau mit rund 3 ha Wasserfläche und 350.000 m³ mit 13,2 ha dem Hochwasserschutzraum zugewiesen werden.


Der Hochwasserschutzraum erlaubt es, den Abfluss auf eine wirksame Regelabgabe von 6,7 m³/s zu begrenzen. Mit dem verfügbaren Stauraum lässt sich eine wirksame Hochwasserabminderung erreichen, die sich bis zur Mündung in den Rhein auswirkt. An der Modau unterhalb sind bei Mitwirkung des Speicher nur noch geringe Flussbaumaßnahmen zur Hochwassersicherung erforderlich. Der Stauraum in der oberen Modau erlaubte es auch, das zum Schutz des Sandbaches geplante Hochwasserrückhaltebecken Eschollbrücken erheblich kleiner auszubauen, als es sonst notwendig gewesen wäre.


Als Sperrbauwerk für das Hochwasserrückhaltebecken Ober-Ramstadt dient ein Erddamm, der sich flussaufwärts an den geplanten Straßendamm der B 426 anlehnt und diesen zum Teil als Stützkörper benutzt. Die Krone liegt links etwa 2,50 m unter der Straßenoberkante und rechts in gleicher Höhe der B 426 und der seitlich verlaufenden Landesstraße L 3099. Die Länge des Dammes beträgt rund 200 m, sein Rauminhalt ohne den Straßendamm rund 55.000 m³.
Der Betriebsauslass und die Hochwasserentlastung sind in einem Bauwerk zusammengefaßt. Der normale Abfluss erfolgt über eine rund 13,43 m lange Überlaufkante in Höhe des Dauerstauzieles auf NN + 209,90 m und danach durch 2 Öffnungen mit Schützenverschluss, 1,50. 1,50 m, die zur Regelung des Abflusses dienen.
Das Wasser fließt dann durch einen 60 m langen Stollen von 3,00 m Breite und 2,80 m Höhe unter dem Damm hindurch zur Luftseite ab und tritt in ein 16 m langes und 1,20 m tiefes Tosbecken mit Gegenschwellen ein, wo die überschüssige Energie schadlos umgesetzt wird.

 

Als Hochwasserentlastung dient ein Schachtüberfall mit Krone in Höhe des Betriebsstauzieles (NN + 214,50 m) und 5,80 m Durchmesser des kreisrunden Überlaufes.
Das überlaufende Wasser gelangt ebenfalls in den Stollen und das Tosbecken.
Um den Stauraum vollständig entleeren zu können, sind in der Dauerstauschwelle zwei abgesicherte Grundablässe DN 800 mm mit Sohle auf NN + 205,10 m angebracht. Im Unterwasser des Tosbecken schließt sich auf rund 100 m Länge (bis neues Pegelhaus) ein naturnaher Ausbau der Modau an. Oberhalb wird im Staubereich das Gerinne auf das Einlaufbauwerk zugeführt und im erforderlichen Umfang befestigt.
Rund 460 m oberhalb des Staudammes liegt eine Vorsperre mit Krone auf NN + 210,60 m, die mit dem Gewässer wandernden Sinkstoffe an der Wurzel des Dauerstaues festhalten. Der Sammelraum ist rund 1.200 m³ groß.
Das bestehende, nicht mehr genutzte Mühlenwehr 600 m oberhalb der Sperrstelle bleibt als Sohlgleite. Am Zulauf des Speicherbeckens und unterhalb der Sperrstelle sind Pegel angeordnet, die der Überwachung der Anlagen dienen. Der Unterwasserpegel kann als Anrufpegel verwendet werden.
Im Zusammenhang mit dem Bau des Rückhaltebeckens wurde die Landstraße L 3099 am rechten (östlich) Talhang streckenweise angehoben und neu ausgebaut.
Am linken Hang wird der bestehende Wirtschaftsweg im unteren Staubereich hangaufwärts verlegt und entlang der B 426 unter einer geplanten Brücke (Schwärzefloß) durchgeführt. Die Verlegungslänge beträgt 700 m.
Ein Rundweg umgibt die Dauerstaufläche und ist für Fußgänger zugänglich. Bei der Planung und Ausführung der baulichen Anlagen wurde auf die Erhaltung des Landschaftsbildes Rücksicht genommen.
Als Ersatz für die entfallenden Bäume und Büsche wurden Neupflanzungen durchgeführt.